Magazin | 11.12.2018

So schlemmen unsere Nachbarn – Folge 1

Andere Länder, andere Sitten: Das, was in unseren Nachbarländern auf die Festtagstafel kommt, ist genau so unterschiedlich wie die vielen verschiedenen Bräuche rund um das Weihnachtsfest. Im Uhrzeigersinn haben wir von Nord bis West einmal einen Blick in die nachbarschaftlichen Feiertagsküchen geworfen. Unser Fazit: Das meiste klingt ausgesprochen lecker und wäre durchaus mal eine Alternative zu unseren Klassikern wie Kartoffelsalat mit Würstchen, Fondue oder Raclette am Heiligabend und Gänsebraten oder Wild am 1. Feiertag!

Dänemark: Bitte schön süß!

Wer schon mal in Dänemark Urlaub gemacht hat, weiß: Unsere nördlichen Nachbarn mögen’s süß – vor allem beim Gebäck! Für die „hyggelige“ (= gemütliche, anheimelnde) Weihnachtszeit läuft der Backofen auf Hochtouren, um daraus leckeres Jul-Gebäck (Jul = Weihnachten) hervorzuzaubern. Sehr beliebt: Pfeffernüsse, buttrige Vanillekränze und würzige Braune Kuchen (Brunkager). Dazu gibt’s einen heißen Anheizer, der es wirklich in sich hat: Glögg – die intensiv nach Ingwer, Kardamom, Zimt  und Nelken  duftende dänische rote Glühweinvariante mit Rosinen und gehackten Mandeln und einem ordentlichen Schuss Portwein.

Am Heiligabend thronen gerne mit Apfelscheiben und Backpflaumen gefüllte Gans, Ente oder Pute auf der weihnachtlichen Tafel, begleitet von karamellisierten Kartoffeln und Rotkohl. Auch hier ist also durchaus Süße im Spiel!
Die Krönung liefert der weihnachtliche Nachtischklassiker schlechthin: Vanille-Milchreis mit Sahne, gehackten Mandeln und Kirschsauce, in dem sich eine einzige ganze Mandel versteckt. Wer sie findet, erhält das „Mandelgeschenk“ – üblicherweise ein Marzipanschweinchen.

Polen: Viel und fleischlos

Kaum zu glauben: Unsere polnischen Nachbarn – bekannt für gehaltvolle Fleischmahlzeiten, gelegentlich auch bereits zum Frühstück – genießen am Heiligabend komplett und konsequent fleischfrei! Denn der 24.12. gehört im katholischen Glauben zur Fastenzeit. Diese „Lücke“ schließt sich dann am 1. und 2. Feiertag, zum Beispiel mit Ente und Rouladen.

Traditionsbewusste Polen essen am 24. Dezember bis zum klassischen 12-Gänge-Menü am Abend übrigens nichts – anders wären die dann aufgetischten Mengen auch vermutlich kaum zu bewältigen. Die 12 Gerichte basieren auf den 12 Aposteln und den 12 Jahresmonaten, wobei auch Kleinigkeiten wie eine Scheibe Brot oder die traditionelle Oblate dazuzählen. Zum Genussdutzend auf der familiären Weihnachtstafel gehört eine klare Rote-Bete-Suppe (Barszcz czerwony) mit polnischen Tortellini (Uszka), gefüllt mit einer Mischung aus Sauerkraut und getrockneten Pilzen.
Eine große Rolle spielt auch Fisch, vor allem Karpfen. Den gibt es wahlweise kalt in Aspik, gekocht oder gebraten. Eingelegter Hering gehört ebenfalls häufig dazu, sowie ein polnischer Gemüsesalat aus Kartoffeln, Möhren, Erbsen und sauren Gurken. Außerdem oft dabei: gefüllte Eier.
Übrigens: Auf dem Esstisch befindet sich Heiligabend in Polen meistens ein zusätzliches Gedeck für einen unerwarteten Gast. Sollte ein Freund oder Fremder unerwartet vor der Tür stehen, ist er herzlich eingeladen. Viele Polen bitten am Heiligabend auch alleinstehende Menschen zum Familienessen – wirklich ein schöner alter Brauch!

Tschechien: Karpfen aus dem Bottich

Etwas weiter südlich, in Tschechien, bestimmen böhmische Bräuche die Weihnachtszeit. Die böhmischen Krippen genießen Weltruhm, die größte mechanische Variante besteht aus rund 1.400 Figuren! Auch die böhmische Weihnachtsbäckerei kann sich sehen und vor allem schmecken lassen: Zu den Dauerbrennern gehören Vanillekipferl, geflochtener Mandelstollen, Mürbeteigplätzchen, Honigkuchen und Schneeküsschen aus geschlagenem Eiweiß. Das beliebte Gebäck gibt es zu Weihnachten überall zu kaufen, aber die meisten Haushalte setzen auf liebevolle Eigenherstellung.

Wie auch in Polen, sind die Tschechen am Heiligabend traditionellerweise fleischlos glücklich. Das Menü startet oftmals mit einer Fisch- oder auch Kartoffelsuppe, als Hauptgang gibt es klassischerweise Karpfen – gern in Panade gebraten und mit Kartoffelsalat serviert. Die Köche/Köchinnen besorgen sich den Fisch meistens von Straßen- und Markthändlern, die die aus südböhmischen Karpfenteichen stammenden Tiere überall in großen Bottichen anbieten.
Als beliebtes Dessert rundet beispielsweise ein Apfelstrudel das tschechische Weihnachtsmenü ab.Nachbarn1-Content_740x493

Österreich: Regionale Vielfalt

Unser südlicher Nachbar Österreich besteht aus neun Bundesländern. Entsprechend vielfältig ist die Weihnachtsküche. Vor den eigentlichen Feiertagen steht auch hier das große Backen an – Vanillekipferl, Linzer Augen und Lebkuchen liegen dabei weit vorn.
Am Heiligabend wird es dann regional, wobei wahlweise Wurst in verschiedenen Varianten oder Gerichte mit Karpfen oft mit im Spiel sind. Im westlichen Österreich gehören beispielsweise frische Kalbsbrat- oder Mettwurst mit Sauerkraut (Vorarlberg) oder Nudelsuppe mit Würstchen und im Anschluss Blutwurst, Schweinebraten oder kalte Platte (Tirol) ins Traditionsprogramm. Auch Salzburg „wurstelt“ sich durch mit einer Suppe auf Rinderbasis, aufgepeppt mit Frankfurter Würstchen, Weiß- oder Mettwürsten. Ebenfalls wurstlastig zu Weihnachten unterwegs sind die Kärntner: Selchwürstel mit Sauerkraut und Schwarzbrot kommen hier gern am Heiligabend auf den Tisch. Nieder- und Oberösterreich sowie Wien setzen eher auf Karpfen in verschiedenen Zubereitungsvarianten (in der Suppe, als Sülze oder gebacken).

Als wahre Weihnachtsfeinschmecker hingegen entpuppen sich die Bewohner des kleinsten und östlichsten österreichischen Bundesstaats: dem an die Slowakei, Ungarn und Slowenien grenzenden Burgenland. Dort lässt man es sich am Heiligabend gern gutgehen mit Tafelspitz plus Apfelmeerrettich, Räucherlachs sowie Gans samt Rotkohl und Knödeln.

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